Montag, 2. April 2018

Frauen dürfen hier nicht träumen: Mein Ausbruch aus Saudi-Arabien, mein Weg in die Freiheit

von Rana Ahmad (Autor), Sarah Borufka (Autor)     Verlag: btb Verlag  Erscheinungstermin: 15. Januar 2018 Seiten: 320  ISBN: 978-3442757480 Preis: 16,00 Euro 



Klappentext (nach Amazon):

 »Ich verließ meine Familie und meine Heimat, weil ich nicht mehr an Gott glaube, aber an ein Leben als selbstbestimmte Frau.«

Rana Ahmad

Flirrende Hitze, in der Sonne glitzernde Wolkenkratzer: Saudi-Arabien ist eines der reichsten Länder der Welt. Beherrscht von Scharia und der Religionspolizei. Als Zehnjährige muss Rana sich zum ersten Mal verschleiern. Sie soll die Sonne auf der Haut nicht mehr spüren, darf ohne männliche Begleitung nicht mehr auf die Straße. Rana fehlt die Luft zum Atmen, sie beginnt zu zweifeln: an Gott. Darauf steht in Saudi-Arabien die Todesstrafe. Auch deshalb beschließt sie auszubrechen.


Meine Meinung dazu: (kann Spoiler enthalten)



Ohne Worte. Und doch sind es so viele.



In einer Zivilisation, die aus ihrem Materialismus keinen Hehl macht und die materiellen Werte höher schätzt als die seelischen, ist es unvermeidlich, dass ein Vergehen gegen Eigentum und Besitz strenger bestraft wird als ein Vergehen gegen den Menschen. – Jack London



Als ich mit dem Buch begann wusste ich um das Thema und dennoch riss es mich aus meinem hier und jetzt heraus. Ich vergaß eine Zeit lang alles um mich herum und war einfach nur entsetzt. 

Entsetzt, wie Menschen durch die Religion rechtfertigen, jemanden zu unterdrücken und zu terrorisieren. Wie die Situation so eingefahren ist, wie es dort einfach immer schon so war.

Rana beschreibt nicht nur was ihr passiert ist, sie beschreibt nicht nur was ihr angetan wurde, sondern sie ist klug. Sie versteht nach und nach wieso die Dinge so laufen wie sie eben laufen. Dadurch, dass ihr von frühester Kindheit eingebläut wird, ihr Körper wäre eine Versuchung, nicht rein, mag sie ihren Körper nicht. Sie hat Angst, dass es ihre Schuld ist, weil sie das böse, unreine Mädchen ist, wenn sie jemand berührt auch ohne dass sie es will. Aus diesem Grund kann sie es auch nicht sagen, kann niemandem davon erzählen. Und als sie sich endlich traut, wird ihr nicht geglaubt und ihr Leben wird noch schlimmer. Ein Kreislauf der so in sich geschlossen ist, dass er sich über Jahrzehnte für Frauen in Saudi Arabien nicht verändert, weil es ein funktionierendes System ist. Wenn der Schwache dem Gewalt angetan wird, keine Rechte hat, keine Stimme mit der er sprechen kann, kann er auch nicht aus dem System ausbrechen.

Ich habe sehr lange darüber nachgedacht, wie das System verändert werden könnte in solch einem Land, wie Frauen dort eine Stimme bekommen könnten und ob es auch in europäischen Ländern immer noch ein Überbleibsel davon gibt, ob die Stimme einer Frau auch hier noch weniger zählt.

Rana wird von ihrem Bruder fast zu Tode geprügelt, und auch nach dieser Aktion bekommt sie keinen Rückhalt von ihrer Mutter. Ihr Onkel kommt ihr zu Nahe. Der Einzige der auf sie aufpasst ist ihr Vater. Wie kann man sich in einer Welt zuhause fühlen in der die eigene Familie einen unterdrückt? Ich könnte mir niemals vorstellen weniger Rechte oder Pflichten zu haben, als mein Bruder. Ich könnte mir eine Welt, in der ich die Worte meiner Eltern oder meiner Mitmenschen nicht anzweifeln oder darüber diskutieren kann nicht vorstellen.

Ich bin eine Frau. Ja. Aber ich sehe es nicht ein, wegen meines Geschlechts anders behandelt zu werden. Wie ein Mensch ist, hängt nicht von dem Geschlecht ab, sondern vom Individuum. Es hängt auch nicht von der Hautfarbe, der Nase oder etwas anderem ab. Ja ich bin eine Frau und wie fast 50 Prozent der Menschheit bekomme ich alle paar Wochen meine Periode. Das kann ich laut sagen, wieso auch nicht, es betrifft ja fast die Hälfte der Menschheit.

Und da ist auch nichts eklig dran. Und schon Garnichts unrein. Ich war entsetzt als ich las, das Rana – die ja eigentlich fromm sein sollte, in den Tagen der Periode jetzt nicht mehr den Koran anfassen darf, da sie jetzt unrein wäre.  Sie soll Kindergebären, aber das was dazu gehört, wenn man eine Frau ist, das ist dann unrein?

Mein Unverständnis für etwas derartig heuchlerisches ist nicht gegeben. Ich finde jeder sollte an das glauben was er möchte, aber ohne Menschen seelischen oder körperlichen Schaden hinzuzufügen. Denn das hätte kein Gott gewollt.

Rana erwähnt in ihrem Buch wie viel Pech sie hatte, einfach weil sie am falschen Ort geboren wurde. Sie hat Recht, ich habe Glück in einem Land wie Deutschland geboren worden zu sein. Indem ich selbst über mich entscheiden kann.

Aber Rana ist eine mutige Frau und versucht zu fliehen. Wie viele andere wohl auch davon träumen und es nicht können?  Rana hatte Glück, ich vermute ohne dass sie Englisch gelernt hätte, wäre es auf der Flucht noch viel schwieriger gewesen. Ich kann mir nicht vorstellen wie hart es sein muss alles zurück zu lassen und in ein völlig neues aber auch fremdes Leben zu gehen.

Ich finde es traurig, dass Menschen in einigen Ländern mehr Angst um sich selbst haben, als Menschen in Not aufzunehmen und ihnen zu helfen. Ist es die Angst, dass man ihnen etwas nimmt, Geld, Kultur? Oder aber ist es die Angst vor dem Fremden?

Umso mehr freue ich mich, dass sich die Deutschen oft mit mehr Herzlichkeit für Geflüchtete eingesetzt haben. Auch ich habe versucht zu helfen.

Ich bin mir sicher es ist ein zweischneidiges Schwert. Es gibt Menschen - auch Menschen aus diesen Ländern, die sich vielleicht nicht korrekt verhalten, mit unserem System noch nichts anfangen können, doch genauso gibt es auch Deutsche die sich nicht gut Verhalten – alles ist vom Individuum abhängig.

Wir sind eine vernetzte Welt, die sich schnell verändert. Ich glaube irgendwann wird es überall mehr so sein wie in Metropolen, wo es sehr viele unterschiedliche Menschen gibt, mit sehr vielen verschiedenen Meinungen und Bedürfnissen. Vielleicht haben Länder die so streng geordnet sind davor Angst, wie viel sich bei ihnen verändern wird. Aber ich glaube es wird sich verändern.



Rana thank you for your voice. At the end of the book I had tears in my eyes, because I knew you would find your place, to feel at home.



Ich finde die Ausgabe übrigens unglaublich schön. Es sieht durch das Textverhältnis auf dem Cover so englisch aus.

10/10


Vielen lieben Dank an den btb Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Sonntag, 18. März 2018

Stolz und Vorurteil

von Jane Austen (Autor),‎ Elfi Bettinger (Nachwort),‎ Andrea Ott (Übersetzer)    Verlag: Penguin Verlag  Erscheinungstermin: 9. Mai 2017 Seiten: 640  ISBN: 978-3328101666 Preis: 10,00 Euro 



Klappentext (nach Amazon):

Nicht weniger als fünf Töchter haben die Bennets standesgemäß unter die Haube zu bringen. Kein leichtes Unterfangen für eine Familie auf dem Land, die nur über ein bescheidenes Vermögen verfügt. Ausgerechnet die intelligente Elizabeth, das Lieblingskind des Vaters, erweist sich als besonders schwieriger Fall. Zum allgemeinen Unverständnis hat sie die Stirn, den Antrag eines wohlsituierten Pfarrers auszuschlagen. Statt dem Drängen der Familie nachzugeben, folgt Elizabeth hartnäckig ihrem eigenen Urteil ...


 

Meine Meinung dazu:



Die Penguin Ausgabe von Stolz und Vorurteil ist sehr gelungen!

Ich finde die Covergestaltung sehr schön, und die Übersetzung ist fantastisch. Nach „Jane Eyre“ hatte ich erneut Lust auf eine Lektüre, die zu einer ähnlichen Zeit geschrieben wurde und wurde von „Stolz und Vorurteil“ nicht enttäuscht.

Die Geschichte, die ihren Charme durch die verschnörkelte Sprache erhält, hat mich bis zur letzten Seite gefesselt und ich begleitete die Familie Bennet gern bei ihrem Treiben. Etwas schade war allerdings, dass die beiden jüngeren Schwestern teilweise in Vergessenheit gerieten und nicht sehr oft erwähnt wurden.  Klar wird durch die Geschichte, wie wichtig es für eine Frau zu dieser Zeit war, eine gute Partie zu machen.

Auch wenn in dem Buch von der Handlung recht wenig passiert, ist es doch sehr viel. Denn die vielen Kleinigkeiten gewinnen so an Bedeutung.

Außerdem finde ich es immer schön, ein Nachwort zu haben, so kann man noch einmal eine andere Meinung sehen.

Definitiv ein Buch, das man einmal in seinem Leben gelesen haben sollte!




10/10


Vielen lieben Dank an den Penguin Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Dienstag, 13. Februar 2018

Die Spuren meiner Mutter





von Jodi Picoult (Autor),  Elfriede Peschel (Übersetzer)   Verlag: C. Bertelsmann Verlag  Erscheinungstermin: 29. August 2016 Seiten: 512  ISBN: 978-3570102367 Preis: 19,99 Euro 



Klappentext (nach Amazon):


 Mitreißend und berührend: Eine Tochter auf der Suche nach ihrer verschwundenen Mutter

Die dreizehnjährige Jenna sucht ihre Mutter. Alice Metcalf verschwand zehn Jahre zuvor spurlos nach einem tragischen Vorfall im Elefantenreservat von New Hampshire, bei dem eine Tierpflegerin ums Leben kam. Nachdem Jenna schon alle Vermisstenportale im Internet durchsucht hat, wendet sie sich in ihrer Verzweiflung an die Wahrsagerin Serenity. Diese hat als Medium der Polizei beim Aufspüren von vermissten Personen geholfen, bis sie glaubte, ihre Gabe verloren zu haben. Zusammen machen sie den abgehalfterten Privatdetektiv Virgil ausfindig, der damals als Ermittler mit dem Fall der verschwundenen Elefantenforscherin Alice befasst war. Mit Hilfe von Alices Tagebuch, den damaligen Polizeiakten und Serenitys übersinnlichen Fähigkeiten begibt sich das kuriose Trio auf eine spannende und tief bewegende Spurensuche – mit verblüffender Auflösung.




Meine Meinung:


Es ist tatsächlich mein erstes Buch von Jodi Picoult. Obwohl ich natürlich den Film „Beim Leben meiner Schwester gesehen habe“. Ich war ziemlich gespannt und mich hat vor allem das wahnsinnig gut recherchierte Hintergrundwissen begeistert. Wer weiß schon das Pinguine Sex für Steine haben? Leider geriet ich bei diesem Buch in eine Leseflaute, was aber nichts mit dem Buch zu tun hatte, sondern mit meiner eigenen Selbstfindung. Die aber jetzt abgeschlossen ist und ich bin zurück!
Nach langer Zeit habe ich das Buch nun beendet und kann es nur empfehlen. Es war spannend und am Ende doch sehr überraschend.  Die Geschichte war nicht vorhersehbar. Die Charaktere gut ausgearbeitet und überzeugend. Und wie schon erwähnt - die Geschichten über die Elefanten waren einfach großartig. Sehr viel davon gehörte nicht zum Allgemeinwissen über Elefanten und ich finde dies ist der ungeheure Mehrwert den das Buch bietet. 



8/10


Vielen lieben Dank an den C. Bertelsmann Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Montag, 5. Dezember 2016

Mord auf Bestellung: Ein Agententhriller

von Jack London (Autor), Freddy Langer (Nachwort), Eike Schönfeld (Übersetzer)   Verlag: Manesse Verlag  Erscheinungstermin: 29. August 2016 Seiten: 272  ISBN: 978-3717524267 Preis: 24,95 Euro 

Klappentext (nach Amazon):
 
«Sie zahlen, wir morden!» lautet die Devise einer New Yorker Attentatsagentur. Einzige Bedingung: Die Liquidation des Opfers muss sozial nützlich und legitim sein … Mit «Mord auf Bestellung» brilliert der weltbekannte Abenteuerautor im Suspense-Genre. Nun erstrahlt sein wiederentdeckter Agententhriller aus dem Jahr 1910 in Eike Schönfelds Neuübersetzung.


10.000 $ für einen Polizeichef; 100.000 $ für einen zweitrangigen Monarchen; eine halbe Million für Seine Majestät, den König von England – Diskretion garantiert! Die Geschäfte der mordenden Moralfanatiker laufen prächtig, bis ein schwerreicher Philanthrop Verdacht schöpft und sie beauftragt, ihren eigenen Chef zu eliminieren: Auftakt einer Verfolgungsjagd quer durch die USA. Vor einer hawaiianischen Insel kommt es zum nalen Showdown … Dieser Agententhriller fesselt mit Dramatik, Action und spektakulären Wendungen. Zugleich wirft er hochbrisante Fragen auf: Welche Opfer darf ein Mensch im Namen einer höheren Moral in Kauf nehmen? Welcher Zweck heiligt welche Mittel? Und nicht zuletzt: Wie lässt sich eskalierende Gewalt eindämmen?


Zum 100. Todestag des Autors am 22. November 2016




 Meine Meinung:



Schon vor diesem Buch, kam ich mit einem seiner Werke „Wolfsblut“ in Berührung und schaffte mir danach weitere Bücher von Jack London an. Daher war ich sehr froh erneut etwas von ihm lesen zu dürfen.

Ich denke dieses Buch ist eine Ausnahme unter seinen Werken. Zum einen weil es, soweit ich weiß der einzige Thriller ist, den er ja schrieb. Zum anderen, weil die Idee selbst, nicht von ihm stammte.

Aber dennoch ist das Buch sehr sympathisch.  Nicht nur wegen der eigentlichen Geschichte und der tollen Aufmachung, sondern auch wegen der Informationen die die Herkunft der Geschichte offen legen und Infos zu der Entstehung dieses Buches geben.

Ich mag Bücher, die noch über den Inhalt der eigentlichen Geschichte hinausgehen. So kann ich mich besser in die Geschichte hineinversetzen.

Die Geschichte selbst ist witzig und passt eher weniger in Jack Londons Werke, dafür aber auch einzigartig. Sie wurde nie vollendet von JL aber anhand des Manuskripts fortgeführt.

Ich mochte es sehr und kann diese Ausgabe allen Jack London Fans nur empfehlen! 


9/10


Vielen lieben Dank an den Manesse Verlag für dieses Rezensionsexemplar!